Superfood im eigenen Garten
Heimische Wildgehölze sind wahre Superfoods: reich an wertvollen Inhaltsstoffen, voller Geschmack und bestens an unsere Regionen angepasst. Entdecke, welche Schätze in Dirndl, Hagebutte, Berberitze und Co. stecken und warum sie eine Bereicherung für Garten und Natur sind.
21.07.26
Lea Andres

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Inhaltsverzeichnis
Superfood muss nicht von weit her kommen
Avocado, Goji, Açaì, Chia – Wer kennt sie nicht, die mit Vitaminen und Mineralstoffen vollgestopften Superfoods. Wäre da nicht immer dieser leicht bittere Beigeschmack der langen Transportwege. Aber für die Gesundheit müssen wir eben Kompromisse eingehen, oder vielleicht doch nicht?
Den Hollersirup oder die vom Wegesrand genaschte Himbeere kennt hierzulande jedes Kind und so manche Erwachsene schwärmen einfach von doppelten Dirndl-Schnapserln. Weit weniger Menschen geläufig ist da schon das einzigartige mostig-süße Aroma der Asperl oder die fruchtige Säure der Berberitze und, dass sich auch aus Elsbeere und Speierling u.a. schmackhafte Gelees zaubern lassen. Dabei war die Nutzung des heimischen Wildobstes früher eine übliche und vor allem ausgewogene und gesunde Nahrungsergänzung statt teurer Pulverchen, Tabletten oder den exotischen Superfoods.
Denn Wildgehölzfrüchte haben weit mehr zu bieten als ausgefallene und einzigartige Aromen. Und zwar haufenweise wertvolle Inhaltstoffe – sogar in weit höheren Konzentrationen als im meisten Kulturobst. Der Vitamin-C-Gehalt der Dirndl liegt beispielsweise beim doppelten der Goji-Beere, beim 10-20 -fachen von dem des Apfels und der des Hetscherls schafft es fast bis zum 100-fachen. In der Asperl finden sich 15 wichtige Mineralstoffe und in 100g getrockneten Berberitzen stecken neben vielen antioxidativen Stoffen ganze 23g Vitamin A. Das heimische Superfood trägt diesen neudeutschen Namen im Gegensatz zu manch anderer Modenahrung also wirklich völlig zurecht!
Was in unseren Früchten steckt
Um diese Superstars unter den Früchten für alle leicht zugänglich zu machen, haben wir vom Verein Regionale Gehölzvermehrung (RGV) einige unserer garantiert aus den Regionen Niederösterreichs stammenden Pflanzen zu einer Nasch-Hecke kombiniert. Darin finden sich Wildgehölze wie Holler, Berberitze, Dirndl, Weißdorn, Schlehe und Hundsrose, ergänzt mit dem halbwilden Weingartenpfirsich und Kultursorten wie Brombeere und Ribisel. So können nicht nur reife Früchte von der Hecke genascht, sondern auch ausgefallene und gesunde Säfte, Sirupe, Marmeladen und Gelees in regionaler Geschmacksqualität produziert werden. Nebenbei freuen sich viele wichtige Insekten und Vögel über das vielfältige Nahrungsangebot.
Der regionale Genuss beginnt bereits im Frühsommer mit dem Hollersirup – werden nicht alle Blütendolden geerntet, kann mit den reifen Früchten später noch Likör angesetzt werden. Ab Ende Juni können dann die ersten Früchte von der Ribisel und etwas später von der Brombeere gezupft werden. Vielseitige Verwendungsmöglichkeiten bietet die Dirndl im August, aus ihr lassen sich köstliche Säfte, Kompott und Marmeladen herstellen. Aufgrund ihres hohen Gerbsäuregehaltes empfiehlt es sich, die Früchte erst dann zu sammeln, wenn sie schon auf den Boden fallen. Damit wird sichergestellt, dass sie auch wirklich vollreif sind! Im Anschluss an die Dirndl sind die ebenso vielfältig einsetzbaren Berberitzen reif, die z.B. in der persischen Küche unverzichtbar sind und auch zu pikanten Gerichten passen. Die Früchte des Weißdorns im Herbst eignen sich hervorragend zum Verfeinern von Marmeladen und dem Ansetzen von Likör. Als regionaler Nachtisch können schließlich im Herbst bis in den Winter die Hetscherln der Hunds-Rose zu Marmelade eingekocht werden. Und kurz vor dem Winter können die Früchte der Schlehe vom Strauch genascht oder zu feinem Mus oder Saft verarbeitet werden. Mit einer RGV Naschhecke im Garten kann fast das gesamte Jahr über verkostet und probiert werden.
Schade also, dass uns der bequeme Griff zur eingeschweißten Açaì-Beere dieses jahrhundertealte Wissen in den Hintergrund rücken und womöglich vergessen lässt. Dabei kann jede/r von uns sich selbst, der Natur und dem Klima so leicht etwas Gutes tun! Und genau diesem Ziel widmet sich der Verein Regionale Gehölzvermehrung RGV seit über 25 Jahren.
Warum die Herkunft auch beim Genuss zählt
Bei der RGV arbeiten Besammler*innen, Ökolog*innen, Landwirt*innen und Partnerbaumschulenmit viel Engagement und Begeisterung daran, sowohl ausgefallene und selten gewordene Gehölze als auch häufig anzutreffende heimische Baum- und Straucharten zu besammeln und zu vermehren. In mühsamer Handarbeit werden in verschiedenen Regionen Österreichs, streng nach regionaler Herkunft getrennt, die Früchte wildwachsender Gehölzbestände besammelt. Aus diesen wird in einem spezialisierten Betrieb keimkräftiges Saatgut höchster Qualität gewonnen. Für die Pflanzenanzucht sorgen ausgewählte RGV-Partnerbaumschulen, die mit viel Gefühl und Know-how kräftige, hochwertige Jungpflanzen heranziehen. Die Wildgehölze der RGV sind dadurch etwas ganz Besonderes. Im Gegensatz zu herkömmlicher Pflanzenware, deren Herkunft oft weit außerhalb des Landes, oder sogar Europas liegt, können unsere RGV-Gehölze die Vorteile einer Jahrtausende alten Anpassung an ihre Heimatregion nutzen und sind somit bestens an die Standortbedingungen angepasst. Die Früchte können dadurch ihr volles Potenzial und Aroma entwickeln und richtig ausreifen, im Gegensatz zu so mancher Gartensorte, die ursprünglich aus einer ganz anderen Gegend kommt und vom Herbst überrascht wird.
Am Heckentag gibt es das regionale Superfood
Wem jetzt schon das Wasser im Mund zusammengelaufen ist, für den haben wir eine gute Nachricht: Die garantiert gebietsheimischen Wildgehölze der RGV können von Anfang September bis Mitte Oktober über www.heckentag.at bestellt werden. Der Heckentag findet traditionell am 1. Samstag im November an mehreren Standorten in Niederösterreich statt. Wer keine Zeit hat, am Heckentag dabei zu sein, kann sich die Pflanzen auch nach Hause liefern lassen. Neben den Gehölzen gibt es am Heckentag auch die passende Beratung und bei immer guter Stimmung wird unter den Heckenfans bestimmt auch das eine, oder andere Geheimrezept ausgetauscht!