RGV Niederösterreich
Die Regionale Gehölzvermehrung hat ihren Ursprung in Niederösterreich. Aus einer Initiative zum Erhalt heimischer Gehölze entwickelte sich über mehr als 30 Jahre ein österreichweites Netzwerk für regionale Herkünfte, Pflanzenproduktion und Wissensvermittlung. Viele der heute etablierten Arbeitsweisen wurden hier entwickelt und bilden bis heute die Grundlage weiterer Projekte.

Die Wiege der RGV
Die Regionale Gehölzvermehrung hat ihren Ursprung in Niederösterreich. Bereits Anfang der 1990er-Jahre entstand gemeinsam mit der Naturschutzabteilung des Landes die Idee, heimische Gehölze nicht nur nach ihrer Art, sondern auch nach ihrer regionalen Herkunft zu vermehren.
Aus den ersten Besammlungen entwickelte sich Schritt für Schritt ein landesweites Netzwerk. Sammelregionen wurden abgegrenzt, Mutterbestände ausgewählt, Saatgut gesammelt und Partnerbaumschulen aufgebaut. Mit der Gründung des Vereins Regionale Gehölzvermehrung im Jahr 2001 erhielt diese Arbeit einen organisatorischen Rahmen und wurde kontinuierlich weiterentwickelt.
Heute reicht dieses Wissen weit über Niederösterreich hinaus. Viele Methoden und Erfahrungen aus den ersten Projektjahren bilden die Grundlage für Projekte in anderen Bundesländern und werden gemeinsam mit zahlreichen Partner:innen laufend weiterentwickelt.

VErmehrung gebietseigener Wildgehölze
Das Projekt „Vermehrung gebietseigener Wildgehölze“ entstand in enger Zusammenarbeit mit der Naturschutzabteilung des Landes Niederösterreich. Über viele Jahre wurden Sammelregionen abgegrenzt, Mutterbestände ausgewählt und Arbeitsabläufe für Besammlung, Saatgutaufbereitung und Pflanzenanzucht aufgebaut. Parallel dazu entstand ein Netzwerk aus Partnerbaumschulen und regionalen Sammler:innen.
Seit 2022 ist die Verwendung gebietseigener Gehölze bei naturschutzrechtlichen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im NÖ Naturschutzgesetz verankert. Damit findet sich die langjährige Arbeit heute auch im gesetzlichen Rahmen wieder.
4 Niederösterreichische Sammelregionen

Die Grundlage der niederösterreichischen Sammelregionen nach dem RGV-Prinzip
Für die Regionale Gehölzvermehrung wurde Niederösterreich in vier Sammelregionen gegliedert. Die Grenzen orientieren sich an den natürlichen Landschaftsräumen des Bundeslandes. Geologie, Klima, Höhenlage und Vegetation unterscheiden sich deutlich und prägen die heimischen Gehölze jeder Region.
Früchte werden ausschließlich innerhalb ihrer Sammelregion besammelt und getrennt weiterverarbeitet. Aus dem gewonnenen Saatgut entstehen Pflanzen, die später wieder möglichst in ihrer Herkunftsregion verwendet werden. So bleiben die regionalen Anpassungen der Gehölze erhalten und die Herkunft jeder Pflanze bleibt nachvollziehbar.
Die vier Sammelregionen bilden seit vielen Jahren die Grundlage für die Besammlung, Pflanzenproduktion und Verwendung heimischer Wildgehölze aus regionalem Saatgut in Niederösterreich.
PA
Pannonische Flach- und Hügeländer
Das pannonisch geprägte Niederösterreich zeichnet sich durch warme, trockene Sommer und vergleichsweise geringe Niederschläge aus. Offene Kulturlandschaften, Trockenrasen, Weinbaugebiete und Laubwälder bestimmen den Charakter dieser Region.
ALP
Alpen
Die Alpen umfassen die südlichen Gebirgsräume Niederösterreichs. Große Höhenunterschiede, lange Winter und hohe Niederschläge prägen die Landschaft. Wälder, Almen und alpine Täler schaffen vielfältige Lebensräume für heimische Gehölze.
A-VL
Alpenvorland
Das Alpenvorland bildet den Übergang zwischen Alpen und Tiefland. Sanfte Hügel, Flusstäler und landwirtschaftlich geprägte Landschaften wechseln sich mit Wäldern und Feuchtgebieten ab. Klima und Böden unterscheiden sich deutlich von den benachbarten Regionen.
BM
Böhmische Masse
Die Böhmische Masse umfasst das Waldviertel mit seinen Granit- und Gneislandschaften. Kühleres Klima, ausgedehnte Wälder, Moore und strukturreiche Kulturlandschaften prägen diese Region und ihre heimischen Gehölzbestände.
Heckentag
Seit 1999 werden über den Heckentag heimische Gehölze aus regionalem Saatgut in ganz Niederösterreich ausgegeben.

Heimische Gehölze für Niederösterreich
Der Heckentag macht heimische Gehölze aus regionalem Saatgut seit 1999 für Privatpersonen, Gemeinden und Betriebe zugänglich. Einmal im Jahr können wurzelnackte Pflanzen vorbestellt und an zahlreichen Abholstandorten in ganz Niederösterreich übernommen werden. Die Pflanzen stammen aus langjährigen Partnerbaumschulen der Regionalen Gehölzvermehrung und werden ausschließlich in der vorbestellten Menge ausgehoben. So bleiben regionale Herkunft, kurze Wege und eine bedarfsgerechte Produktion miteinander verbunden.
Seit 2021 wird der Heckentag weitgehend ohne Fördermittel organisiert. Die Erlöse fließen in den Vereinszweck und unterstützen die Regionale Gehölzvermehrung sowie die Weiterentwicklung ihrer Projekte.
Wir für Bienen
Gemeinsam mit der Initiative Wir für Bienen entwickelt die Regionale Gehölzvermehrung Heckenpakete, die Wildbienen und anderen Bestäubern vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst Nahrung bieten.
Den Anfang machte 2021 die Bienen-Hecke. Aus der Zusammenarbeit entstand ein Heckenpaket mit heimischen Gehölzen aus regionalem Saatgut, das heute ein fester Bestandteil des Niederösterreichischen Heckentags ist. Mit der Nektar-Hecke wurde die Kooperation weitergeführt. Ihre Zusammenstellung basiert auf den Erkenntnissen des Forschungsprojekts Heckenleben und sorgt für ein möglichst durchgehendes Blütenangebot vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst.
2026 werden dank der Initiative „Wir für Bienen“ bereits zum zweiten Mal im Rahmen des Heckentags kostenlose Heckenpakete an interessierte niederösterreichische Gemeinden ausgegeben. Damit entstehen an öffentlichen Flächen neue Lebensräume für Wildbienen und andere Bestäuber und gleichzeitig mehr heimische Gehölze aus regionalem Saatgut in den Gemeinden.


Naturparke Niederösterreich
Die Naturparke Niederösterreich sind seit vielen Jahren wichtige Partner der Regionalen Gehölzvermehrung. Gemeinsam entstehen Pflanzaktionen, Informationsmaterialien und regionale Abholstandorte, die heimische Gehölze aus regionalem Saatgut in die Naturparke und zu den Menschen bringen.
die Klima-Hecke
Die Klima-Hecke wurde ursprünglich als 10-Jahreszeiten-Hecke entwickelt. Zehn heimische Gehölzarten zeigen mit Blühbeginn, Fruchtreife oder Laubverfärbung, wann eine neue phänologische Jahreszeit beginnt. Da diese Naturereignisse kein fixes Datum haben, lassen sich damit Veränderungen im Jahreslauf direkt vor der eigenen Haustür beobachten.
Die fachliche Ausarbeitung entstand unter maßgeblicher Mitwirkung von unserem Obmann-Stellvertreter Klaus Wanninger und Monografien-Autor Georg Schramayr. Später wurde die Klima-Hecke mit dem Naturkalender verbunden, einer gemeinsamen Initiative von Büro LACON, GeoSphere Austria und der Regionalen Gehölzvermehrung. Beobachtungen können über die Naturkalender-App eingetragen werden und fließen in die phänologische Forschung ein.
Die Pflanzen des Heckenpakets stammen aus regionalem Saatgut. Dadurch zeigen sie die Naturentwicklung unter den Bedingungen ihrer Herkunftsregion und eignen sich für längerfristige Beobachtungen im eigenen Garten. Das Paket ist über den Heckentag erhältlich.

WAS WIR BEREITS
BEWIRKT HABEN
im Einsatz für heimische Gehölze
vermehrt und verwurzelt
in 4 Bundesländern
Wildgehölz-monografien
Seit 2007 geben die Wildgehölz-Monografien einen verständlichen Einblick in die Welt heimischer Gehölze. Jede Ausgabe stellt eine Art mit ihren Besonderheiten, ihrem Lebensraum und ihrer Bedeutung für Natur und Landschaft vor. Die Publikationsreihe wird auch in den nächsten Jahren mit Unterstützung des Niederösterreichischen Landschaftsfonds (LAFO) fortgeführt.

MONOGRAFIE IM FOKUS
Die Berberitze (Berberis vulgaris L.)
Sie ist eine Vitaminbombe unter den Wildobstarten und das NÖ Wildgehölz 2017, die Berberitze. Unter anderem wegen ihres sauren Geschmacks und ihrer färbenden Inhaltsstoffe ist sie seit jeher in Verwendung, denn schon römische Feldherren wussten über die heilenden Inhaltsstoffe der Berberitze Bescheid. Durch ihre weite Verbreitung über den europäischen Kontinent und darüber hinaus, sind viele [...]
Unkostenbeitrag von € 9,00 inkl. MwSt. zzgl. Portokosten

MONOGRAFIE IM FOKUS
Die Pimpernuss (Staphylea pinnata L.)
Die Pimpernuss ist ein wahres Kleinod unter den heimischen Gehölzen. Zur Blütezeit im Mai ist sie ein echter Augenschmaus mit ihren weißen, zart duftenden, traubigen Blütenrispen. Aber auch während der Fruchtreife ist die Pimpernuss ein richtiger Hingucker mit ihren blasig aufgetriebenen, lampionähnlichen Früchten in denen bei entsprechender Reife an windigen Tagen die hartschaligen Kerne aneinander [...]
Unkostenbeitrag von € 9,00 inkl. MwSt. zzgl. Portokosten

MONOGRAFIE IM FOKUS
Der Schwarze Holler (Sambucus nigra L.)
Er zählt zu den bekanntesten heimischen Pflanzen überhaupt, der Schwarze Holunder, unser NÖ Wildgehölz des Jahres 2011. Man meint über den Holler Bescheid zu wissen, kennt verschiedenste Methoden seiner Verwendung z.B. als schmackhaftes Nahrungsmittel, Fruchtsaft oder Heilmittel - aber das ist längst noch nicht alles, der Holler kann noch viel mehr. Wie man ein Holler-Pfeiferl [...]
Unkostenbeitrag von € 9,00 inkl. MwSt. zzgl. Portokosten

MONOGRAFIE IM FOKUS
Die Schlehe (Prunus spinosa L.)
Die unscheinbare Schlehe zählt zu den bemerkenswertesten Kleinsträuchern der heimischen Vegetation. Sie stand bei der Entstehung der heimischen Zwetschken und Kleinpflaumenverwandtschaft Pate und taucht schon in den steinzeitlichen Siedlungsresten als Kernfund auf. Sie blüht zeitig im Jahr und das so üppig, dass von den Zweigen nichts mehr zu sehen ist. Damit ist sie wichtiger Pollen- [...]
Unkostenbeitrag von € 9,00 inkl. MwSt. zzgl. Portokosten







